Mittwoch, 29. März 2017

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Freitag, 24. Juni 2016

WINGS OF DESTINY - Kings of Terror

Band: Wings of Destiny
Album: Kings of Terror
Spielzeit: 58:04 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Power Prog
Veröffentlichung: 24.06.2016

DIE Power Metaller aus dem schönen Costa Rica sind mit Sicherheit die Jungs von WINGS OF DESTINY, obwohl dieser Name dürfte den wenigstens etwas sagen, ihr Debütalbum „Time“ REZI veröffentlichte man noch unter dem Namen DESTINY.
Die Jungs waren fleißig und haben nun schon ihr zweites Album „Kings of Terror“ am Start. Wie der Titel vermuten lässt geht es darauf etwas düsterer zur Sache als auf dem Debüt. Dies mag auch an ein, zwei Lineup Wechseln liegen.
Wie auch immer, mit ihrem zweiten Album will die Band einen großen Schritt hin zu mehr Bekanntheit und Beachtung machen und wenn man die Probleme vom Debütalbum etwas ausgemerzt hat, dann sollte dies gelingen.
Ach ja, als abschließende Info, „ich singe überall Fabio Lione“ ist hier als Gastsänger zu hören.
„We bring you the Night“ begrüßt uns direkt zu Beginn mit einer kleinen Einleitung bevor der Track richtig fahrt auf nimmt und kraftvoll, schnell und doch melodisch aus den Boxen geballert kommt! Es fällt direkt auf das der Gesang im Vergleich zum Debütalbum wesentlich aggressiver zu Geltung kommt und auch die eher düstere Ausrichtung wird direkt klar. Ein bomben Opener der direkt Lust auf mehr macht!
Dieses Mehr wird dann auch so gleich geboten, denn auch die nächsten Tracks „Angels & Demons“ sowie der Titeltrack „Kings of Terror“ sind erstklassige Ohrwurmsongs die sich direkt metertief in die Gehörgänge graben.
Über das ebenfalls ausgezeichnete „Eye of the Storm“ geht es dann in den Mittelteil der Scheibe der von dem Zwischenstück „Sea of Oblivion“, dem vor Pathos triefenden „Siren‘s Song“ und dem eher durchschnittlicheren „Holy Innocence“ ausgefüllt wird. Im Vergleich zur erstklassigen ersten Hälfte sinkt das Qualitätslevel hier also etwas, mal schauen wie es dann im letzten Teil der Platte aussieht, der mit „Lie to Me“ eröffnet wird?
Auf jeden Fall abwechslungsreich und qualitativ treffsicher ist man dann wieder beim epischen „Touch the Sky“ unterwegs. Hier ist der Gesang wieder erstklassig und daher hier mal besonders hervor zu heben! Das ruhige „Eternity“ kann dann leider wieder nicht überzeugen dafür das anschließende „United we Stand“ umso mehr!
Das, die Platte beschließende, „Angels & Demons“ ist uns ja schon bekannt, dieses Mal kommt der schon angesprochene Fabio Lione zum Einsatz. Ich sag mal so, tut nicht weh, wäre aber auch nicht notwendig gewesen, die Jungs bekommen das schon gut alleine hin!

Anspieltipps:

Ihr solltet auf jeden Fall in “We bring you the Night”, “Angels & Demons”, “Kings of Terror”, “Eye of the Storm” sowie “Touch the Sky” rein hören.

Fazit :

Das neue Album der Jungs von WINGS OF DESTINY stellt auf jeden Fall eine klare Steigerung zum ersten Album da! Leider sind dann doch ein, zwei eher durchschnittliche Songs zu viel auf dem Diskus, sonst wäre die Wertung direkt in den Topbereich gegangen.
Aber das soll die Leistung der Jungs hier nicht schmälern, die ist nämlich immer noch richtig stark und absolut empfehlenswert für Anhänger des Genre!
Ein Kauf und somit eine Unterstützung der Band lohnt sich definitiv!

WERTUNG:





Trackliste:

01. We bring you the Night
02. Angels & Demons
03. Kings of Terror
04. Eye of the Storm
05. Sea of Oblivion
06. Siren‘s Song
07. Holy Innocence
08. Lie to me
09. Touch the Sky
10. Eternity
11. United we Stand
12. Angels & Demons (feat. Fabio Lione)

Julian

HIGHLORD - Hic Sunt Leones

Band: Highlord
Album: Hic Sunt Leones
Spielzeit: 46:29 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.06.2016

Die Jungs von HIGHLORD sind schon seit 1997 musikalisch unterwegs, obwohl man bis 1998 noch AVATAR hieß. Dieser Tage erscheint das mittlerweile achte Album „Hic Sunt Leones“ über Massacre Records. Auf diesem sind mit Apollo Papathanasio (Ex FIREWIND) und Linnea Vikström (THERION) zwei Gastsänger zu hören.
Live war die Band vor allem zwischen 2012 und 2014 richtig aktiv. Man spielte als Support für so namenhafte Bands wie DARK MOOR, FREEDOM CALL, VISION DIVINE oder ELVENKING.
Man hat also ordentlich Erfahrung vorzuweisen und das sollte sich dann auch hoffentlich dem neuen Album wiederfinden. Dieses hat sich im Vergleich zu den Vorgängeralben etwas vom Sound her gewandelt, man ist nun, der eigenen Aussage nach, härter und symphonischer unterwegs. Schauen wir doch nun mal ob dem so ist?
Der Openertrack „Time for a Change“ kann hier rüber nicht so viel Auskunft geben, haben wir es hier doch nur mal wieder mit einem Intro zu tun. Das anschließende „One World at a Time“ stellt dann aber gleich unter Beweis das man hier direkt in der RHAPSODY OF FIRE Ecke gelandet ist. Power Metal der mal mehr mal weniger an die großen Vorbilder angelehnt ist, mit ordentlich viel Keyboards und Pathos. Der eine mag es, der andere nicht! Ungefähr auf der Hälfte des Songs kommen dann auf einmal Growls ins Spiel die das Ganze härter und düsterer klingen lassen sollen, sorry aber auf mich mach das den Eindruck als ob man hier nicht wusste wo man hin will. Wirkt nicht sehr durchdacht!
So viel geschrieben zum ersten Track, warum denn das wird sich der aufmerksame Leser nun fragen? Nun, ich kann die Rezi hier ungemein abkürzen, denn alle weiteren Songs schlagen irgendwie ins selbe Muster, symphonischer Power Metal mit teilweise sehr deplatzierten Growls und noch dazu ein Gesang der sehr nasal und gewöhnungsbedürftig daher kommt.
Ach und wirklich eingängig sind die Songs auch nicht, da auf einen schönen, schmissigen Chorus größtenteils verzichtet wird! Das alles macht den Hörgenuss hier wirklich sehr schwierig und ist doch sehr gewöhnungsbedürftig!
Am ehesten zu gefallen wissen noch „Be King or be killed, „Let there be Fire“ und „Hic Sunt Leones“ über den Rest decke ich mal lieber den Mantel des Schweigens. Auch die angesprochenen Gastsänger reißen es hier dann leider nicht raus.

Anspieltipps:

Wie schon angesprochen tönen “Be King or be killed”, “Let there be Fire” und “Hic Sunt Leones” hier am Besten.

Fazit :

Selten hat mich eine Platte zum Ende derart sprachlos zurückgelassen! Die guten Veranlagungen sind auf jeden Fall alle vorhanden, aber man schafft es nicht sie auf den Punkt zu bringen. Die eingesetzten Growls die das Ganze düsterer klingen lassen sollen kommen sehr deplatziert rüber, das Songwriting lässt auch zu wünschen übrig und der Gesang ist ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig! Unterm Strich bleibt da leider nur eine Bewertung im durchschnittlichen Bereich hängen, so das das Ganze nur etwas für Genrefans sein dürfte.

WERTUNG:





Trackliste:

01. Time for a Change
02. One World at a Time
03. Be King or be killed
04. Let there be Fire
05. Hic Sunt Leones
06. Wrong Side of Sanity
07. Feathers to a Bird
08. Warmight
09. I‘ve chosen my poison
10. Once were immortal
11. Full Circle

Julian

WIDOW - Carved in Stone

Band: Widow
Album: Carved in Stone
Spielzeit: 49:53 min
Stilrichtung: US Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 24.06.2016
Homepage: www.widowusa.com

Fünf Jahre nach dem letzten Album „Life's Blood“ REZI holen die US Metaller von WIDOW zum nächsten Schlag mit dem Namen „Carved in Stone“ aus. Angeführt von den beiden Masterminds John E. Wooten IV und Cristof Bennett präsentiert man uns erneut die bandeigene Mischung aus Hard Rock amerikanischer Machart mit feinem Old School Metal.
Sehr produktiv sind die Jungs zwar nicht, das neue Album ist das fünfte in 13 Jahren, aber solange gute Songs dabei herauskommen kann uns das ja egal sein!
Als Opener fungiert „Burning Star“ welches erstmal angenehm ruhig mit cleanen Gitarren beginnt. Nach ca. einer Minute wandelt sich das Ganze aber hin zu einem straighten Midtempotrack der mit seinem treibenden Drums und den satten Riffs schnell den Weg in unsere Gehörgänge findet. Dazu passt der catchy Chorus wie die Faust aufs Auge. Eine runde Sache also als Opener!
Der Titeltrack „Carved in Stone“, „Another Time and Place“ sowie „Wisdom“ die als nächstes folgen sind dann nochmal eine Spur eingängiger und wandern daher auch ohne großartig nachzudenken direkt auf unsere Hitliste.
Die Ballade „Time on your Side“ kann dann leider so gar nicht überzeugen und auch die anschließenden „Borrowed Time“ und „And we are One“ kommen nicht so richtig in Fahrt. Der Mittelteil ist daher eher durchschnittlicher Natur, hoffen wir das der Rest wieder besser wird?
Ja, an der Qualitätsfront kann auf jeden Fall direkt Entwarnung gegeben werden, „Anomaly“ rockt wieder ganz ordentlich aus den Boxen, das schön abwechslungsreiche „Live by the Flame“ ist dann wieder ein kleiner Hit geworden und beim schnellen „Of the Blood we blind“ kann man dann nicht anders als mit dem ganzen Körper so richtig schön mitzugehen!
Und da auch die beiden letzten Nummern „Nighttime Turn“ und „Let it burn“ eher zu der besseren Sorte gehören, können wir abschließend dann doch ein sehr zufriedenstellendes Fazit ziehen. Wenn da nicht der sehr dürftige Mittelteil gewesen wäre...

Anspieltipps:

Mit “Burning Star”, “Carved in Stone”, “Another Time and Place”, “Wisdom”, “Live by the Flame” sowie “Of the Blood we blind” bekommt ihr hier den besten Eindruck!

Fazit :

Eigentlich ist bei dem neuen Werk von WIDOW alles in Butter! Die Songs sind größtenteils richtig stark, die Produktion ist ordentlich und der Zugang zur Platte ist schnell gefunden. Leider ist das Wort eigentlich immer ein Zeichen dafür das dann doch irgendetwas nicht passt. So auch hier, denn im Endeffekt fehlt hier DER Überhit der die Scheibe einfach ausmacht und der recht durchschnittliche Mittelteil tut dann sein übriges dazu bei, das wir hier “nur” eine starke Leistung zu vermelden haben!
Empfehlenswert für Fans der Band und des Genre ist die Scheibe aber auf jeden Fall.

WERTUNG:





Trackliste:

01. Burning Star
02. Carved in Stone
03. Another Time and Place
04. Wisdom
05. Time on your Side
06. Borrowed Time
07. And we are One
08. Anomaly
09. Live by the Flame
10. Of the Blood, we blind
11. Nighttime Turn
12. Let it burn

Julian

Mittwoch, 22. Juni 2016

LANFEAR - The Code Inherited

Band: Lanfear
Album: The Code Inherited
Spielzeit: 45:59 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 01.07.2016
Homepage: www.lanfear.eu

Neben der Fates Warning Granate, die wir heute ebenfalls vorstellen, kann sich jede andere Prog Band mit neuem Material nur schwer tun. Das einheimische Gewächs LANFEAR, immerhin nun auch schon seit über 20 Jahren im Geschäft, schlagen sich mit Ihrem aktuellen Album "The Code Inherited" allerdings sehr gut. Und das auch ohne den direkten Vergleich mit den US-Übervätern. 4 Jahre nach dem letzten Dreher ("This HarmonicConsonance", 2012) ist Album No. 6 das dritte auf dem Sänger Nuno Miguel de Barros Fernandes die Stimmbänder schwingt. Und das macht er absolut überzeugend. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber eine Band ist immer nur so gut wie ihr Sänger. Und selbst ein technisch fitter Sänger. der quer durch jede verfügbare Oktave jodeln kann, ist noch lange kein Garant für guten Gesang. Gerade im Power Metal Bereich ist das von einem übereifrigen Fronter in alle Himmelsrichtungen gekreischte Endergebniss oft genug ernüchternd. LANFEAR haben mit de Barros Fernandes allerdings einen fähigen, mit Bedacht und Geschick ans Werk gehenden Sänger an Bord, der den Kompositionen und Melodien von Hauptsongwriter und Gitarrist Markus Ullrich das Tüpfelchen aufs i setzt.

Das Eröffnungsdoppel aus dem mächtigen "The Delusionist" und dem mit beinahe spährischen Gesangsmolidien veredelten "The Opaque Hourglass" ist ein Einstand nach Maß woran es absolut nichts zu meckern gibt. Und auch die weiteren Tracks, der harte Kracher „Self-Assembled“ sei noch beispielhaft genannt, halten locker das hohe Niveau, mit dem LANFEAR sich kaum hinter solchen Acts wie Communic und Co. verstecken müssen. Handwerklich macht den Jungs eh keiner was vor, auch wenn es spielerisch nicht wirklich Höhepunkte zu vermelden gibt. Dafür steht der geile Gesang auch einfach viel zu sehr im Mittelpunkt (wo er auch hingehört). Wegen dem völlig überflüssigen Lückenfüller "Summer Of '89" (über den wir an dieser Stele nun respektvoll den Mantel des Schweigens hüllen werden) gibt es zwar einen klaren Abzug in der B-Note. Das ändert aber nichts daran, dass mit "The Code Inherited" ein bockstarkes Album in den Läden steht, dass so manch anderer Kapelle zeigt wie mans richtig macht.

"The Code Inherited" kann ab dem 1. Juli 2016 abgegriffen werden und gehört auf den Einkaufszettel eines jeden qualitätsbewussten Power/Prog Metal Fans. Punkt.

WERTUNG: 





Trackliste

01. The Delusionist
02. The Opaque Hourglass
03. Evidence Based Ignorance
04. The Code Inherited
05. Self-Assembled
06. Converging Saints
07. Remain Undone
08. Summer Of '89


Mario

FATES WARNING - Theories of Flight

Band: Fates Warning
Album: Theories of Flight
Spielzeit: 52:17 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside Out Music
Veröffentlichung: 01.07.2016

Ich war nie ein glühender FATES WARNING Verehrer - ich habe die Band über viele Jahre hinweg beobachtet und respektiert, aber einen richtigen Zugang zu Ihren Alben (mit Ausnahme von Parallels und Inside/Out) habe ich nie wirklich gefunden. Zu klinisch war mir stets die Produktion, zu sehr schien Sänger Ray Alder an der kurzen Kette gehalten zu sein. Eben diese Elemente machten für mich das letzte Studio-Werk ("Darkness In A Different Light", 2013) zwar zu einem objektiv betrachtet starken, aber auch etwas kühl kalkulierten Album. Die Band versuchte darauf zu weiten Teilen den Spagat zwischen alten Tugenden und dezenten Annäherungen an aktuelle Trends. Zu Begeisterungsstürmen hat es aber bei mir nicht geführt. Damals wie heute wurde die Veröffentlichung der neuen FATES WARNING Scheibe von frischen Alben der Kollegen Haken und Deam Theater flankiert und es ist schon interessant zu sehen welchen Weg diese Bands seitdem gegangen sind. Während Dream Theater mit "The Astonishing" das wohl zahnloseste, überflüssigste Werk ihrer Bandgeschichte hingelegt haben, beglückten die Verrückten von der Insel die Szene mit einem weiteren beeindruckenden Brocken, der noch länger widerhallen dürfte. Und FATES WARNING? Tja, die legen mit "Theories of Flight" einen Brecher vor, den ich den Jungs niemals zugetraut hätte und der sogar das viel gelobte "Affinity" von Haken auf der Zielgerade überholt.

Bereits die Gitarrensounds im Opener lassen erahnen, dass Jim Matheos und seine Getreuen diesmal bewusst neue Wege beschreiten und nicht auf Nummer sicher gehen. Von Jens Bogren fantastisch gemixt und gemastert, hauen FATES WARNING uns eine Handvoll Mördertracks um die Ohren, für die andere Bands Ihre Oma verhökern würden. Dabei klingt die Band dermassen hungrig und wild entschlossen, als hätten wir es mit einer Bande 18-jähriger zu tun. Ob in dem mit einem bärenstarken Refrain/Spannungsbogen ausgestatteten "From the Rooftops", dem Hook-Monster "Seven Stars", dem kantig harten "White Flag" oder der schicken Emotionsgranate "The Ghosts of Home" - FATES WARNING haben lange nicht mehr so überzeugend und mitreissend geklungen. Neben den "normal" langen Tracks gibt es diesmal auch 2 Longtracks zu bestaunen, die es in sich haben: während "Like Stars Our Eyes Have Seen" mit tollen Ideen begeistern kann, ist das wunderbare "The Light and Shade of Things" schlicht einer der geilsten Songs den die Band jemals geschrieben hat. Auch wenn jedem der Musiker ein überschwengliches Lob gebührt (das Drumming von Bobby Jarzombek ist von einem anderen Stern), so ist der Held der Scheibe ganz eindeutig Ray Alder. Er liefert auf "Theories of Flight" die stärkste Gesangsleistung seiner Karriere ab und gibt den Tracks, die mit einer, für FATES WARING Verhältnisse, unerwarteten Heavyness aufwarten, den nötigen Punch ohne dabei in agressives Gebrülle zu verfallen. Seine stimmliche Präsenz (perfekt im Studio eingefangen und in die Songs eingebettet) packt feste zu und lässt den Hörer bis zum Ende der Scheibe nicht mehr los. Die Songs scheinen ihm auf den Leib geschneidert zu sein, denn im Gegensatz zu früher klingt er keineswegs wie das 5. Rad am Wagen sondern vielmehr wie der Kapitän am Ruder, der seine Mannen durch den Sturm geleitet. Der etwas laue, entschleunigende Titeltrack am Ende des Albums hält zwar nicht ganz das Niveau des Albums, aber das ist bei der schwindelerregenden Energie, die die Scheibe freisetzt auch gar nicht weiter schlimm.

Noch ein Wort zum Sound der Platte: Die Produktion von "Theories of Flight" ist für FATES WARNING Verhältnisse regelrecht erdig geraten, die Drums drücken amtlich, die Gitarren haben eine natürliche, perfekt ausbalancierte Färbung, der Bass macht genau dort Rabatz wo es sein soll und Alder liefert, wie bereits gesagt, eine einfach überragende Leistung ab. Hier macht sich die Investition in einen Top-Sound Fachmann wie Bohren einer ist wirklich bezahlt. Und wenn dieser dann mit solchem eindrucksvoll von Matheos produziertem Material arbeiten kann, dann entstehen halt auch Alben die Zeichen setzen. Für mich ist "Theories of Flight" das bisher stärkste Prog-Metal Album des Jahres und eine absolute Kaufempfehlung für alle Genre Freunde. Hammerteil!

WERTUNG: 





Trackliste

01. From the Rooftops
02. Seven Stars
03. SOS
04. The Light and Shade of Things
05. White Flag
06. Like Stars Our Eyes Have Seen
07. The Ghosts of Home
08. Theories of Flight

Mario


Montag, 20. Juni 2016

WICKMAN ROAD - After The Rain

Band: Wickman Road
Album: After The Rain
Spielzeit: 47:27 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 24.06.2016
Homepage: www.facebook.com/wickmanroad

Irgendwo im Nirgendwo – genauer gesagt im südschwedischen Provinzkaff Rydaholm – entstand vor kurzem die junge Melodic Rock Band WICKMAN ROAD. Das war 2014 und schon jetzt warten die fünf jungen Burschen mit ihrem Debütalbum „After The Rain“ auf. Dieses haben sie im Studio 165 in der Musikhochburg Växjö unter den Fittichen von Ola af Trampe aufgenommen. Auf dem Programm der Brüderpaare Eric (vocals) und Carl Ahlqvist (keyboards),  Henrik (guitars) und Robert Akesson (bass) sowie Simon Rydén (drums) steht klassischer AOR in Gedenken an große Bands und Künstler wie TOTO, STRANGEWAYS oder RICHARD MARX. Auch neuere Combos wie BROTHER FIRETRIBE werden hier und da zitiert (wobei diese ja auch eine quasi-Tributeband an die guten alten Zeiten sind).

Dass WICKMAN ROAD Potential haben, zeigen sie schon zu Beginn mit dem sehr guten Titeltrack. Das Manko ist selbstredend die fehlende Abgrenzung gegenüber ihren Helden, „After The Rain“ könnte auch von zahlreichen anderen Kapellen stammen. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass WICKMAN ROAD ein feines Näschen für schöne Melodien und gute Arrangements haben. Auch Stücke wie „Couldn´t Find The Way“ oder „Breaking Free“ sind eine schöne Bereicherung für die Szene und natürlich für jeden Fan des Genres.

„After The Rain“ bietet elf zeitlose AOR-Nummern, die größtenteils im oberen Leistungspektrum angesiedelt sind. Dass den jungen Schweden zum Schluss hin etwas die Luft ausgeht, soll ihnen verziehen sein. Mit WICKMAN ROAD hat sich abermals eine junge Kapelle in Stellung gebracht, die das Vermächtnis des AOR und Melodic Rock gut zu verwalten mag.

WERTUNG:





Trackliste:

1. After The Rain
2. Breaking Free
3. I Believe In You
4. I Can´t Wait Anymore
5. All Alone
6. Couldn´t Find The Way
7. Home
8. No Matter The Distance
9. In A Minute
10. Now When You´re Gone
11. Time

Stefan

ZAR - Don´t Wait For Heroes

Band: Zar
Album: Don´t Wait For Heroes
Spielzeit: 48:52 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Metalapolis Records
Veröffentlichung: 24.06.2016
Homepage: www.facebook.com/zargermany

Als die frohe Kunde durch die Szene geisterte, Tommy Clauss würde ein neues ZAR-Album in Angriff nehmen, wurden sofort Erinnerungen an das tolle 1993er Album „From Welcome...To Goodbye“ wach, an die großartige Stimme von URIAH HEEP´s John Lawton, der das 1990er Debüt „Live Your Life Forever“ einsang oder die herrliche Ballade „Eagle´s Flight“. Wie weggewischt waren eher kritische Releases wie das 1995er Machwerk „The Holy Rhythm Of Nature“ oder die 2003er Rückkehr „Hard To Beat“. Der Fan ist halt doch ein seltsames Wesen.

Allerdings existiert die Band ZAR nur bedingt, denn Tommy Clauss fungiert auf dem neuen Langspieler „Don´t Wait For Heroes“ quasi als Einmann-Show. Lediglich Drummer Lars Nippa, der auch schon auf „Hard To Beat“ zu hören war, hat dem Urgestein der deutschen Hardrockszene für sein neues Unterfangen den Rücken gestärkt. Unerwartet modern und schroff präsentiert sich Mr. Clauss, der dieses Mal auch den Gesang komplett selbst übernommen hat, bereits von Anfang an. Die Musik passt natürlich in unsere kranke, düstere Welt, aber irgendwie hat man doch etwas anderes erwartet. Das harte „Fighter“ wurde mit elektronischen Beats unterlegt und zwischen einigen Balladen („The Rain Is Still Going On“, „Time“, „Konsuke“) mischt sich Kurioses wie das Instrumental „Till The Final Day“ genau so wie Verstörendes („Blood Means War“). Der Rest sind moderne Rocksongs aus der zweiten Reihe, von denen „All Worlds End“ oder „One Step Closer“ noch am meisten punkten können.

Bei allem Respekt für all die schönen Momente, die uns ZAR in der Vergangenheit beschert haben: Teile von „Don´t Wait For Heroes“ sind nur schwer zu ertragen. Und auch der Sound fällt eher in die Abteilung „besseres Demo“. Bei den heutigen Möglichkeiten muss doch ein hörbar besseres Ergebnis zu erzielen sein. Der Blick ist nun auf den Auftritt beim diesjährigen H.E.A.T. Festival gerichtet – auf den freuen wir uns ja doch...

WERTUNG:





Trackliste:

1. Don´t Wait For Heroes
2. One Step Closer
3. Fighter
4. All Worlds End
5. The Rain Is Still Going On
6. Till The Final Day
7. Blood Means War
8. Time
9. The Rose
10. Triumph Of Faith
11. Stalingrad
12. Konsuke
13. Storm

Stefan

Freitag, 17. Juni 2016

TOXICROSE - Total Tranquility

Band: ToxicRose
Album: Total Tranqulity
Spielzeit: 50:25 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: City of Lights Records
Veröffentlichung: 16.05.2016

Nach der erste selbstbetitelten EP REZI der Jungs von TOXICROSE aus dem Jahre 2012 fieberte wohl jeder dem ersten Debütalbum entgegen! Dieses erscheint dieser Tage mit dem Titel „Total Tranquility“ und soll für die Band der nächste große Schritt nach vorne sein!
Die Truppe spielt einen grobe Mix aus Heavy Metal mit einem Schluss Sleaze ähnlich solcher Bands wie CRASHDIET, W.A.S.P oder MÖTLEY CRÜE und dürfte für die Anhänger dieser Genre auf jeden Fall interessant sein.
Als Opener fungiert das schon als Video veröffentlichte „World of Confusion“ welches flott losballert. Als Opener ist das Teil goldrichtig, einprägsam bahnt sich die Nummer in die Gehörgänge und bleibt dort lange kleben.
In die gleiche Kerbe schlagen dann auch das anschließende „Silent End of Me“ und „Killing the Romance“. Hier sind alle Ampeln auf grün geschaltet und die Stücke wandern ohne lange zu zögern auf unsere Anspieltippliste!
Nach dem etwas schwachbrüstigen „Sinner“ spielt der Stampfer „We own the Night“ wieder in einer ganz anderen Liga. Hier sticht auch besonders der teilweise schön roughe Gesang richtig gut raus!
Nun haben wir aber ein kleine Qualitätsdurststrecke zu bewältigen, die erst mit dem vorletzten Track „We all fall down“ langsam endet.
Richtig zu empfehlen ist zum Abschluss dann nur der Titeltrack „Total Tranquility“. Alles davor ist leider nur guter Durchschnitt.

Anspieltipps:

Am Besten bekommt ihr mit “World of Confusion”, “Silent End of Me”, “Killing the Romance”, “We own the Night” und “Total Tranquility” einen guten Höreindruck.

Fazit :

Die Jungs von TOXICROSE machen es mir wirklich nicht leicht! Ja man hat gerade zu Beginn richtig starke Tracks auf der Pfanne, aber so wie auch schon auf der EP kann man diese Qualität nicht bis ans Ende halten. Gerade im Mittelteil haben wir doch den ein oder anderen durchschnittlichen Song zu viel. Das ist schade, denn meiner Ansicht nach hat die Band absolut Potential!
Eine solide Leistung und somit Gesamtnote ist es aber trotz allem geworden und darauf lässt sich doch wirklich aufbauen, oder?

WERTUNG:





Trackliste:

01. World of Confusion
02. Silent End of Me
03. Killing the Romance
04. Sinner
05. We own the Night
06. Reckless Society
07. Clarity
08. Because of You
09. We all fall down
10. Total Tranquility

Julian

DERDIAN - Revolution Era

Band: Derdian
Album: Revolution Era
Spielzeit: 75:48 min
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Eigenprodutkion
Veröffentlichung: 03.06.2016
Homepage: www.derdian.com

Das letzte Album der Italiener von DERDIAN „Human Reset“ REZI hatte mich ja qualitativ doch sehr positiv überrascht! Um so erstaunter war ich als ich erfuhr das sich die Band von ihrem tollen Sänger Ivan Giannini getrennt hat. Anscheinend nahm man dies zum Anlass die bisherige Bandkarriere nochmal Revue passieren zu lassen und so ist das neue Album „Revolution Era“ quasi eine Best Of geworden, die mit den besten Hits der Band aufwarten kann, die alle neu eingespielt wurden. Als Sänger hat man dieses Mal ins oberste Regal gegriffen und nicht einen, sondern gleich zwölf neue Sänger aus dem Hut gezaubert! International bekannte Gastsänger, wo die bekanntesten mit Sicherheit Ralf Scheepers (PRIMAL FEAR), D.C. Cooper (ROYAL HUNT), Fabio Lione (RHAPSODY OF FIRE), Apollo Papathanasio (Ex-FIREWIND), Henning Basse (METALIUM) sowie Mark Basile (DGM) sind.
Qualitativ können wir hier also vermutlich einiges erwarten, schauen wir uns das Ganze im Detail an. Als Opener kommt uns „Overture“ entgegen welches mehrstimmig gesungen recht schnell zur Sache kommt und schon mal grob die musikalische Richtung vorgibt.
Das das nun folgenden nur aus den Hits der Band besteht hatte ich ja schon gesagt, daher erspare ich mir die Besprechung sämtlicher Titel, was aber denke ich erwähnenswert ist, ist mit Sicherheit das die Sänger wirklich sehr gut gewählt sind und vor allem das unverkennbare Organ von Henning Basse immer wieder raussticht.
Aber generell ist es hier schon schwierig die Stimmen auseinander zuhalten, mir selbst lag keine Auflistung vor wer auf welchem Track gesungen hat. Gut bei „Lord of War“ ist es unverkennbar Fabio Lione und das bei „The Hunter“ Ralf Scheepers mitwirkt wird auch recht schnell klar, aber ansonsten ist es wie gesagt sehr schwierig.
Kurzum, eine Vollbedienung für die Fans der Band mit erstklassigen Sängern!

Anspieltipps:

Erübrigen sich bei einer Best Of denke ich.

Fazit :

Der letzte Satz der Rezi reicht eigentlich schon vollkommen aus um das Gehörte in Worte zu fassen, aber natürlich gibt es hier von mir auch noch den ein oder anderen Nachsatz : )
Insgesamt ist den Jungs von DERDIAN hier wirklich eine recht runde Best Of Scheibe gelungen, man kann sich über Sinn und Zweck des Ganzen, vor allem mit den Gastsängern streiten, aber das schmälert die musikalische Qualität zu keiner Zeit!
Wer auf italienischen Symphonic Power Metal im Stile von alter RHAPSODY OF FIRE Mucke steht fährt mit dieser Best Of Zusammenstellung von DERDIAN genau richtig!

WERTUNG: keine Bewertung

Trackliste:

01. Overture
02. Burn
03. Beyond the Gate
04. Battleplan
05. I don't wanna Die
06. Screams of Agony
07. Lord of War
08. Forevermore
09. Eternal Light
10. The Hunter
11. Black Rose
12. Incitement
13. New Era
14. Cage of Light

Julian

HEADLESS - Melt the Ice away

Band: Headless
Album: Melt the Ice away
Spielzeit: 43:00 min
Stilrichtung: Heavy Rock/Metal
Plattenfirma: Mighty Music
Veröffentlichung: 27.05.2016

HEADLESS ist eine italienische Band rund um Sänger Göran Edman (YNGWIE MALMSTEEN) die eine Mischung aus klassischem Metal der Marke QUEENSRYCHE, Rock und Progressiven Metal der Marke FATES WARNING zocken.
Das neue Album „Melt the Ice away“ ist der Nachfolger des recht erfolgreichen 2013ener Outputs „Growing Apart“. Ich selbst kannte die Band noch nicht und machte mich daher recht interessiert und ohne Erwartungen an den Hördurchgang.
Gestartet wird das gute Stück mit „So much of a Bore“. Satte Gitarrenriffs plus den dazu gehörenden Groove tönen uns als Erstes entgegen. Der Song an sich ist zwar im Verlauf ganz ordentlich gemacht, aber ohne einen Ohrwurmrefrain bleibt hier leider nicht so viel hängen.
Mal schauen was uns beim nächsten Song „Good Luck Resized“ erwartet? Auf jeden Fall hat das Ganze einen ordentlichen Schuss Blues in den Strophen abbekommen und hier haben wir dann auch endlich einen tollen Ohrwurmrefrain der sich metertief in die Gehörgänge frisst, sehr schön!
Der Titeltrack „Melt the Ice away“ beginnt dann mit eine Art Hörspiel bevor sich eine rockige leicht progressive Nummer entwickelt die ebenfalls tolle Melodien und einen einprägsamen Ohrwurmrefrain aufweisen kann. Ein sehr interessanter Track, der sich von Mal zu Mal steigert.
Über die eher durchschnittliche Schmachtballade „Frame“ geht es dann in den zweiten Teil der Scheibe der erneut eine schöne Mischung aus klassischen Rocksongs mit dem notwendigen Schuss Progressivität bietet, die mal mehr mal weniger zünden.
Die Glanzstücke der zweiten Hälfe sind mit Sicherheit „Shortage“ und das knackige „Stillness of the Heart“.
Die Progressive Metalfans kommen auch bei den beiden letzten Tracks „Gather Knowledge Gather Wisdom“ und „When Dreams & Past Collapse“ voll auf ihre Kosten, mir ist das Ganze aber eine Spur zu bunt gemischt.

Anspieltipps:

Hier tönen “Good Luck Resized”, “Melt the Ice away”, “Shortage” sowie “Stillness of the Heart” am Besten.

Fazit :

Ein sehr abwechslungsreiches Album haben die Jungs von HEADLESS uns hier auf jeden Fall präsentiert. Für meine Spur ein bisschen zur durcheinander und nicht immer genau auf den Punkt, aber es gibt mit Sicherheit Progressive Rockfreaks die genau darin die Stärken sehen!
Instrumental, gesanglich und von der Produktion her gibt es hier aber nichts zu meckern, die Songs hätten einfach etwas hitverdächtiger sein können.

WERTUNG:





Trackliste:

01. So much of a Bore
02. Good Luck Resized
03. Melt the Ice away
04. Frame
05. Shortage
06. A senseless Roaring Machine
07. Stillness of the Heart
08. Gather Knowledge Gather Wisdom
09. When Dreams & Past Collapse

Julian

Mittwoch, 15. Juni 2016

ROUGH CUTT - Rough Cutt / Wants You! (Re-Releases)

Band: Rough Cutt
Album: Rough Cutt / Rough Cutt Wants You! (Re-Releases)
Spielzeit: 42:55 min / 37:41 min
Stilrichtung: Melodic Heavy Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records Records
Veröffentlichung: 11.05.2016 
Homepage: www.rockcandyrecords.co.uk

Warum sich die 80er Bands immer wie bunt lackiete Pudel haben ablichten lassen, dann Jahre später aber immer alle unisono in die Interview-Mikrofone seufzen sie seien damals völlig missverstanden worden, hätten eigentlich gar nicht zu der Hair-Metal Szene gehört und seien überhaupt musikalisch ganz anders unterwegs gewesen als alle anderen Bands hat sich mir noch nie erschlossen. Auch ROUGH CUTT, das Baby von Ausnahmesänger Paul Shortino, passt perfekt in diese Schublade. Mit tatkräftiger Unterstützung hinter den Kulissen von niemand geringerem als dem grossen Dio tüteten die Jungs 2 sehr brauchbare Melodic Metal Scheiben ein, bevor Bandkopf Shortino das sinkende Schiff ohne Vorwarnung in Richtung Quiet Riot verliess und den Rest der Mannschaft in den Untergang schippern liess. Soviel zum Thema, 5 Freunde sollt ihr sein ... So richtig in die Gänge kam ROUGH CUTT erst, als die Anfang der 80er von Shortino gegründete Band den Posten des zweiten Gitarristen (zuvor von Jake E. Lee ausgefüllt) mit dem Jungen Flitzefinger Amir Derakh besetzen konnten.

Rough Cutt (1984)

Für das Debüt Album konnte die Band keinen Geringeren als Tom Allom verpflichten, der zuvor bereits solche Juwlen wie Screaming for Vengeance von Judas Priest oder On Through the Night von Def Leopard veredelt hatte und zusammen mit dem Quitett das legendäre Studio The Record Plant in Beschlag nahm. Tja, damals gab es noch Budgets, grosse Studios, externe Produzenten und ein echtes Interesse der Labels an einem Qualitätsprodukt ... wo sind die Zeiten hin? Als die Band einige Wochen später das selbstbetitelte Album dann frisch in den Händen hielt, war die Ernüchterung ob des etwas albernen Covers zwar durchaus berechtigt. Die Musik konnte sich aber sehen lassen und musste sich, zumindest damals gemessen an der Konkurrenz auch soundtechnisch, nicht verstecken. Zwischen den arg aufgeblähten Gitarrenwänden, fetten Drums und einer heftigen Dosis-80er-Hall schafften es Shortino & Co. mit "Take Her", den beiden Cover Songs "Piece Of My Heart" und "Never Gonna Die" und "Kids Will Rock" gute, mitreissende Rock-Kost zu servieren. Mit dem ungewöhnlichen "Black Widow" sowie dem starken "Dreamin' Again" waren sogar zwei Tracks vetreten, die die Band als ein wqenig mutiger zeigten. Auch das stand ROUGH CUTT gut zu Gesicht. Schon auf dem Erstling war aber klar erkennbar, dass Shortino das einzig wirklich schlagende Argument war, ohne den der Rest der Jungs wie jede weitere Kapelle des Strip geklungen hätten. Es kam wie es so oft kommen sollte: wenig Rotation bei MTV, keine Unterstzützung von Seiten des Labels, etc. - der erhoffte Erfolg der Band verpuffte ohne sich je wirklich zu manifestieren und ROUGH CUTT mussten Kollegen wie RATT, die nach Ihnen zu Plattendeals gekommen waren, enttäuscht nachsehen.

Rough Cutt Wants You! (1986)

Aber damals bekamen Bands ja noch eine zweite Chance. Und um dem Glück ein wenig mehr auf die Sprünge zu helfen wurde als Peoduzent Jack Douglas ins Boot geholt. Jener Jack Douglas der unter anderem Toys in the Attic oder Rocks von Aerosmith verantwortlich gezeichnet hatte. Ebenfalls keine schlechte Hausnummer der gute Mann. Was sich in einem gesetzteren, weniger plakativen und erdigeren Sound niederschlug. Wobei eine Bezeichnung wie "erdig" hier nicht mit den staubtrockenen Poduktionen diverser Retro bands heutiger Tage zu verwechseln ist. "Rough Cut Wants You!" klang, auch aufgrund der Tatsache dass die Band weniger ungestüm zu Werke ging und Douglas ein leitendes Händchen in Sachen Songwriting beisteuerte, im Vergleich zum Vorgänger deutlich reifer. Allerdings auch abgeklärter, was man dann auch wieder etwas bemängeln kann. Denn das jugendlich, forsche von "Rough Cutt" sucht man auf "Rough Cut Wants You!" vergeblich. Stattdessen gibt es solche Klischee-Hymnen wie "Rock The USA" oder "We Like It Loud" auf die Ohren. Alles fachmännisch profduziert, von Shortino ein ums andere mal mit Bravour vorgetragen und von der Band ohne Fehlk und Tadel eingespielt. Was dem Album an Charme fehlt wird durch ein gutes Mass an neu hinzugewonnener Routine (vor unter hiner dem Mischpult) wettgemacht. Wenn auch nich tganz so energisch und mitreissend wie das Debüt, so ist "Rough Cutt Wants You!" dennoch ein starkes zweites Album, das in der gut sortierten Melodic Metal Sammlung seinen Platz verdient.

Beide Alben wurden wie bei Rock Candy Records gewohnt kompetent remastered und mit ausführlichen, informativen leinernotes bestückt. Von dem Zusatz auf der CD "Mastered in High Definition / Audiophile Recording" sollte man sich allerdigs nicht zuviel erwarten. Beide Alben, allen voran das Debüt, wurden damals wenig zeitlos produziert und klingen mit 30 Jahren Abstand doch etwas aus der Zeit gefallen. Während das von Jack Douglas relativ trocken und gesetzter in Szene gesetzte "Rough Cut Wants You!" noch relativ gut aus den Boxen quirlt, ist "Rough Cutt" vor allem soundtechnisch etwas antquitiert. Aber das macht ja auch wieder einen Teil des Charmes der Platten aus dieser Zeit aus ...

WERTUNG







Trackliste:

Rough Cutt (1984)

01. Take Her
02. Piece Of My Heart
03. Never Gonna Die
04. Dreamin' Again
05. Cutt Your Heart Out
06. Black Widow
07. You Keep Breaking My Heart
08. Kids Will Rock
09. Dressed To Kill
10. She's Too Hott

Rough Cutt Wants You! (1986)

01. Rock The USA
02. Bad Reputation
03. Don't Settle For Less
04. Hot 'N' Heavy
05. Take A Chance
06. We Like It Loud
07. Double Trouble
08. You Wanna Be A Star
09. Let 'Em Talk
10. The Night Cries Out (For You)


Mario

VAN WILKS - Bombay Tears (Re-Release)

Band: Van Wilks
Album: Bombay Tears (Re-Release)
Spielzeit: 57:31 min
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Rock Candy Records Records
Veröffentlichung: 11.05.2016

Der Gitarrist / Sänger VAN WILKS ist jetzt vielleicht nicht unbedingt das, was man unter einem "Household Name" versteht. Ein kleine Suche im Netz fördert allerdings eine beeindruckende Liste an Veröffentlichungen zu Tage, an denen der Mann aus dem staubigen Texas beteiligt war. Wobei die Verortung im schönen Western Staat der USA schon ein wenig über die stilistische Ausrichtung der Band um den Kreativkopf an den 6 Saiten erahnen lässt. Berühmte(re) Kollegen wie z.B. Eric Johnson oder Billy Gibbons (ZZ Top) verbanden, ähnlich wie VAN WILKS, bluesige Töne mit einem hochmelodischen Ansatz und liessen sich, zumindets was ihre Fähigkeiten auf Ihrem Instrument anging, nie auf ein Genre festnageln. VAN WILKS Debüt, dass nun über Rock Cady Records zum ersten mal überhaupt auf CD erscheint, strahlt einen ganz besondren Charme aus und setzt sich zuweilen so ziemnlich zwischen alle Stühle.

Während Songs wie "1959" oder "Juvenile Licks" mit einigem Elan nach vorne rocken, sind ein Grossteil der Songs eher tiefenentspannt und leben in erster Linie von dem tollen Gespür für Melodien - sowohl was den Gesang als auch die Gitarrenparts angeht. Das im, wie bei Rock Candy gewohnt ausführlichen, Booklet erwähnte lobende Statement von Käpt`n Langbart Billy Gibbons zu VAN WILKS Fähigkeiten an der Gitarre ist nicht untertrieben. Dabei bleibt er aber stets songorientert, lässt seine Soli nie in ausufernde Selbstbeweihräucherung ausarten und kann mit so mancher kleveren Soundtrickserei für willkommene Farbtupfer sorgen (siehe das Intro zu "Danger In The Dark"). Der kleine Haken an dieser ansonsten recht makellosen Scheibe sind dann die nicht wirklich zupackenden Hooklines. Die Platte läuft herrlich unangestrengt ins Ohr rein, kann beim Zuhören begeistern, hinterlässt aber leider keinen bleibenden Eindruck. Auch nach mehrmaliger Einfuhr ist kein Track hängengeblieben, den ich vor mich hin gepfiffen hätte.

Als vergessenes Kleinod, bisher nur wenigen Eingeweihten ein Begriff, hat die Debüt Scheibe von VAN WILKS und seinen Mannen es durchaus verdient von AOR, Melodic Rock, West Coast und Blues Rockern gleichermassen entdeckt zu werden. Dass "Bombay Tears" nie zu einem vertiablen Klassiker wurde hat zwar unter anderem seine Gründe in dem etwas schaumgebremsten Sound und dem Nichtvorhandensein eines zwingenen Hits. Da hier aber handwerklich klasse Musiker mit Herzblut am Werke waren ist das Ergebnis eine lohnenswerte Investition für Raritätensammler. Nicht unerwähnt sollte dabei auch die als Bonus enthaltene "Boystown" EP sein, die ein weiteres kräftiges Kaufargument für Fans und Sammler sein dürfte. Die wertige Aufmachung des Rock Candy Labels tut ihr übriges dazu.

WERTUNG




Trackliste:

01. Danger In The Dark
02. 1959
03. Travelin'
04. Juvenile Licks
05. De La Coupole La Mer Pleure
06. Bombay Tears
07. Can't Cry Anymore
08. Sirens In The Night
09. Eyes Like Lightning
10. Older Than You Know
11. Living On Borrowed Time
12. Boystown (Bonus Track)
13. Street Legal (Bonus Track)
14. Never Say No (Bonus Track)
15. Small Town Girl (Bonus Track)


Mario